Mai 27, 2010 Arne Ahlreip No Comments
Zuerst möchte ich anhand einer kurzen Interpretation die Entstehung der kapitalistischen Gesellschaft nach Marx und Engels zusammenfassen, um dann auf die Charakteristika der kapitalistischen Gesellschaft näher eingehen zu können.
Als zweiten Punkt möchte ich die Funktionsweise der kapitalistischen Gesellschaft näher erläutern, um dann mit einem Schlussgedanken die Entstehung der modernen Gesellschaft nach Marx näher zu beleuchten. Als Textgrundlage dient mir das „Manifest der kommunistischen Partei“ von Karl Marx und Friedrich Engels sowie eigene Recherche.1
Ein Manifest ist eine öffentliche Erklärung von Zielen und Absichten, oftmals politischer Natur2. Diese Definition gleicht auch meinem ersten Eindruck.
Marx und Engels beginnen ihr Manifest der kommunistischen Partei mit der Warnung vor einem Gespenst. „Ein Gespenst geht um in Europa – Das Gespenst des Kommunismus.“ Marx und Engels spielen hier bewusst auf eine Angst an, die mit bloßer kapitalistischer Kraft geschürt wurde, um damit „anders denkende“ oder politische Oppositionen mit dem „bösen“ Kommunismus verbinden zu können. Wie es in der nicht-vorurteilsfreien Berichterstattung über die Partei „Die Linke“ noch heute üblich ist.
Andererseits funktioniert diese Metapher um so besser, wenn wir das Gespenst als ein in dessen Gestalt und Masse undefiniertes Wesen uns vorstellen. Den Kommunismus bekämpfen zu wollen muss demnach scheitern, denn der Kommunismus als Macht ist damit unangreifbar und in seiner Legitimation unantastbar geworden. Der Kommunismus ist als Ideologie so starkem Wandel unterzogen, dass er in seiner tendenziell segmentären Gesellschaftsstruktur (vgl. Durkheim), einer Opposition keine direkte Angriffsfläche bietet. Da im Kommunismus die Argumentation immer auf einen kategorischen Imperativ hinausläuft. Der Glaube an eine Ideologie kann nur durch Aufklärung gemindert werden. Der Kommunismus jedoch ist eine Ideologie die ein vermutlich höheres Maß an Aufklärung bedingt als jede andere Staatsform.
Das Vorwort endet mit einem Appell an alle Rezipienten, sich mit diesem Manifest Terminologie, Sinn und Basis einer kommunistischen Bewegung zu schaffen.
Entstehung kapitalistischer Gesellschaften
Marx und Engels belegen mit historischen Beispielen eine sich wiederholende Struktur in der Entwicklung zur modernen Gesellschaft – Beziehungsweise deren Reformation oder Untergang.
Historische Beispiele sind hier die jeweiligen Klassenkämpfe zwischen Freier und Sklave, Baron und Leibeigener und den Patriziern und Plebejer – um nur einige zu nennen. Also ist die Geschichte der modernen Gesellschaft immer eine Geschichte von Auseinandersetzungen sich konkurrierender und einander bedürfenden Klassen. Wobei die Bourgeoisie ein kapitalistisches Bürgertum darstellt und das Proletariat als Begriff für die unterprivilegierte Arbeiterklasse ausreicht. Oder anders, die Bourgeoisie als besitzende Klasse, das Proletariat als mittellose Gesellschaft.
Charakteristika der kapitalistischen Gesellschaft
Die Bourgeoisie ist eine kapitalistische und bürgerliche Gesellschaft, die aus der technologischen Entwicklung und einer ausgeprägten Arbeitsteilung heraus zu einem industrialisierten Bürgertum evolutionierte, welches Welthandel treibt. Wie es heute millionenfach selbst vom Sofa aus im Internet möglich und üblich ist.
Durch neue Technologien, in Kommunikation, Transport sowie Strom- und Wasserversorgung, die sich zuerst nur urbane Gebiete finanzieren können steigt die Bevölkerung von Metropolen exponentiell. Eine Urbanisierung hat die Eigenschaft viele Individuen sowie deren individuelle Fähigkeiten auf engem Raum zu konzentrieren. Die kulturelle Vielfalt, der hohe Wettkampf und ein offener Austausch von Fähigkeiten, Besserungen und Neuerungen erhöht die in einem Gebiet mögliche Produktivkraft massiv, durch eine nahezu epistemologischen Arbeitsteilung gut ausgebildeter Fachkräfte.
Der Mensch als betriebswirtschaftlicher Produktionsfaktor orientiert sich ständig erneut an einem ständig wachsenden Volksmarkt und internationalem Wettbewerb.
Der Angestellte erhält für seine Dienste eine Vergütung. Sei es wie zu Zeiten der späten Römer mit der Schande als Sklave dankbar weiterleben zu dürfen, oder der Ehre sich in unserer heutigen interdependenten Gesellschaft zum modernen Sklaven hoch-konsumieren zu müssen.
Funktionsweise der kapitalistischen Gesellschaft
Wir stellen also eine Abhängigkeit zwischen denjenigen fest, die einerseits Vergüten und deren, die Anspruch auf Vergütung durch Arbeitskraft erzielen. Agieren nun beide nach dem Maximalprinzip konsumieren beide nicht nur um Ihre Existenz zu sichern sondern um ihre Produktivität und damit ihren Marktwert zu steigern. In den Regeln des Wettbewerbs heißt dies jedoch, dass wenn Einer gewinnt muss ein Anderer verlieren.
Diese Verlierer des Wettbewerbs werden – so Marx und Engels – überwiegend in der Arbeiterklasse auftreten, denn diese verfügen selbst über keine oder nur eine geringe Anzahl an Produktionsmitteln, was oftmals eine wirtschaftliche Unabhängigkeit inkommodiert. Landflucht, Krankheit, Armut und Entfremdung zeichnen die Angehörigen des Proletariats aus. Proletariat als Disparität der Bourgeoisie. Ein Aufschwung des Bürgertums ist zwar möglich, wenn sich jedoch das Proletariat in sich verfestigt und als unterprivilegierte Klasse eine mangelnde Begabung für den Klassenaufstieg nicht oder nur unzureichend reproduziert, sind die Erfolgschancen eher gering.
Die ständige Expansion der ökonomischen Produktivität führt zu einem sich bereichernden Bürgertum. Durch die ständige Modernisierung sämtlicher Technologien steigt auch die Produktivität jedes Eigentümers dieser Technologie. Als Beispiel möchte ich an dieser Stelle die Transportmöglichkeiten von Menschen und Gütern erwähnen.
Durch ein stetig wachsendes Verkehrsnetz und eine steigende Anzahl von Transportmitteln wird der transnationale Handel gefördert und stetig neue Märkte erschlossen. Hauptprofiteure sind am gesamten oder größten Teil nur Minoritäten. Der heimischen Gesellschaft muss dann ein Bedürfnis geweckt werden für das Exotische und Neue, welches vorher unerreichbar aber auch unbekannt erschien.
Höhere Nachfrage treibt die Produktionszahlen und damit das verfügbare Angebot nach oben. Die sich seit dem 19. Jahrhundert auf dem Vormarsch befindlichen Werbemedien: Litfaßsäule, Emailleschilder und Massen-Printmedien; erzeugen durch die nahezu inflationäre Streuung von Bedürfnissen einen weiteren Zuwachs der Nachfragen . Heutzutage kann trotz, Werbepsychologie, Social Network Marketing und Viral-Werbespots zum Glück noch nicht jedes Bedürfnis vermittelt werden. Wobei die Seite des Angebots durch ihr Werbebudget auch die Anzahl der Nachfragen maßgeblich mitbestimmt.
Dadurch entsteht eine Klasse, die abhängig von industriell hergestellten Gütern, Produktivität erzeugt. Verdeutlicht werden könnte dies anhand der Entwicklung eines ehem. Arbeiters zum Unternehmer. Während der Existenzgründer heutzutage in der Anfangsphase durch staatliche Fördermittel zusätzlich finanziell entlastet wird, war es vor diesem Programm beim Existenzgründer, die für die Ausübung seiner Tätigkeit nötigen Mindestrahmenbedingungen für ein gewinnbringendes Unternehmen selbst zu tragen.
Der Unternehmer erreicht seine Produktivität durch die Technologie, die ihm zur Verfügung steht. Diese Technologie wird in Wissenschaft ständig weiterentwickelt, wiederum von der Industrie produziert und dem Markt direkt oder indirekt zur Verfügung gestellt. Zum Beispiel: Betriebs- und Geschäftsausstattung, Fuhrpark, Bau- und Betriebsstoffe, Nahrungsmittel, Telekommunikation etc… Der Markt des Unternehmers ist jeder andere Unternehmer oder ein Konsument gleicher Klasse. (kleine bis mittelständische Dienstleister, Handelsunternehmen oder Handwerksbetriebe)
Doch die Grenze zwischen Proletariat und Bourgeoisie ist nicht unüberwindbar. Vor allem der Verlust aller materiellen oder finanziellen Mittel, die ein hohes Maß an Produktivität erst ermöglichen, sei es ein Verlust durch unwirtschaftliches Handeln oder höhere Gewalt – dieser Verlust bedeutet nicht selten ein hohes Abstiegsrisiko. Zumahl der Abstieg in gewisser Form durch das Fehlen der gewohnten Produktivität bereits vollzogen wurde.
Was Abstieg bedeutet, ist bei den koexistierenden individuellen Präferenzen in unserer heutigen Gesellschaft zu erkennen. Hier ist eine optische Unterscheidung des Wohlstandes als Gestalt erkennbar. Dabei ist die Gestalt durchaus bildlich zu verstehen. Denn wenn wir die Unterschiede zwischen Supermarkt oder Reformhaus, Privat- oder Kassenpatient, Limousine oder unkomfortablen Kleinwagen auf die Erscheinung des Individuums reduzieren, können allein durch die körperlichen Auswirkungen minderwertigerer Nahrung oder einer stärkeren körperlichen Belastung nach Außen spezifische Unterschiede erkennbar werden.
Während also die Bourgeoisie als dispositiver Faktor innerhalb seiner betriebswirtschaftlichen Struktur nur sich selbst und höhere Gewalt als natürlichen Feind kennt, ist sein Streben höherer Produktivität und damit zu höherem Gewinn eine direkte Gefahr für das Proletariat.
Denn das Proletariat kann ersetzt werden. Durch Maschinen wird ausführende menschliche Arbeit substituiert. Maschinen oder Fertigungsroboter garantieren nahezu gleichbleibende bis maximale Produktivitätssteigerung wobei die Betriebskosten oftmals in keinem Verhältnis zu den Gehältern standen, die nicht mehr gezahlt werden mussten.
Der Verlust des Arbeitsplatzes bedeutet für den Proletarier den nahezu vollständigen Verlust seiner Produktivkraft. Bei gleichzeitigem Schrumpfen der Zahl der verfügbaren Arbeitsplätze entsteht eine Verwahrlosung eines selbst vom Arbeitsmarkt ausgeschlossenen Proletariats. Dies erhöht üblicherweise seine Frustration gegenüber diesen Umstände.
An dieser Stelle ist das Proletariat nun einem weiteren Erschwernis ausgesetzt. Die zuvor begrüßte Urbanisierung begünstigte eine sinnvolle Stadtplanung. Sinnvoll in diesem Sinne, das Wohngebiete klassenspezifisch getrennt wurden. Weshalb sich Frustration, Wut und Existenzangst konzentrieren konnte und sich schließlich in einer Bewegung einlädt.
Es ist eine Bewegung der unterdrückten Massen, die sich gegen seine Ausbeuter erhebt Eine Bewegung die jedes mal mit einer revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete oder mit dem gemeinsamen Untergang der kämpfenden Klassen.
Und diese Masse soll sich durch dieses Manifest der kommunistischen Partei in ihren Interessen, Zielen und Wertvorstellungen einen.
„Seit Dezennien ist die Geschichte der Industrie und des Handels nur noch die Geschichte der Empörung der modernen Produktivkräfte gegen die modernen Produktions-Verhältnisse, gegen die Eigenthums-Verhältnisse, welche die Lebens-Bedingungen der Bourgeoisie und ihrer Herrschaft sind.“
Schlussgedanke
Marx und Engels setzen eine moderne bürgerliche Gesellschaft voraus. Die kapitalistische Gesellschaftsformation, in ihrer damaligen Form im höher entwickelten England war die Ihnen bekannte moderne Gesellschaft.
Die anderen Nationen mit einem «niedrigeren Entwicklungsgrad der gesellschaftlichen Antagonismen, welche aus den Naturgesetzen der kapitalistischen Produktion entspringen“ werden folgen müssen. Marx argumentiert hier deterministisch im Sinne der Modernisierungstheorie des späten zwanzigsten Jahrhunderts3: „Das industriell entwickeltere Land zeigt dem minder entwickelten nur das Bild der eigenen Zukunft. „4
Hagen Rether sagt: „Wenn du nix hast, bist du automatisch links.“ Dann ist jedoch Besitzlosigkeit eine notwendige Bedingung der Aufklärung zur Mündigkeit und damit der Grundstein des Kapitalismus. Oder?