Februar 26, 2010 Arne Ahlreip No Comments
Inhalt:
1. Vorwort
2. Philosophische Betrachtung
3. Deutsches Recht
4. Situationen schaffen
5. Lügner als Idealist
6. Wo das Wohl herkommt?
7. Vom Modellieren zur Aufgabe des Lehrenden
8. Ergebnis
1. Vorwort
„Wenn du mich wirklich liebtest, würdest du auch Knoblauch essen.“ Paul Watzlawick schrieb dies und erzwingt somit die Lüge durch die Kraft der Liebe. Aber ist es eine Lüge oder ist es eine Unwahrheit? Ist diese gerechtfertigt, durch das gemeinsame Ziel einer harmonischen Zweisamkeit, die auch dem Lügner dann zu Gute kommen würde? Oder ist sie gar dreist und anmaßend. Wäre sie nicht ein Mittel zum Steigern des persönlichen Wohlergehens beider? Müssen wir nicht alle Kompromisse eingehen und was macht den Kompromiss zur Lüge oder zur Unwarhheit oder sogar zum Irrtum? Jeder bewusste Konsentierungsversuch des Themas „Wahrheit“ in Philosophie und Wissenschaft scheitert an einer Art kommunikativen Verflüssigung. Die Unterschiedlichkeit der Kommunikation des Einzelnen warf zugleich auch immer semantische Differenzen auf. Damit war jede Definition ständig Widersprüchen, Kritik und Unabgeschlossenheit ausgesetzt. An der Terminologie zum Scheitern verurteilt. 2. Philosophische Betrachtung
Die Adäquationstheorie durch Aristoteles, die Kohärenztheorie durch Hegel und Bradley, dem Pragmatismus oder die objektivistischen Theorien bis Heidegger. Kein philosophischer Ansatz beschreibt die Wahrheit auch nur angemessen für diesen Aufsatz und deshalb wählte ich für meinen Aufsatz die Wahrheit, als die Übereinstimmung eines Satzes mit den Tatsachen, worunter die formale Gültigkeit einer Äußerung verstanden wird. Die Frage nach der Wahrheit kann man demnach nur mit „wahr“, „falsch“ oder „undefiniert“ beantworten. Wenn die Wahrheit also ein kostbares Gut ist, wie die Realität, das „Ich“ und das „sein“ warum sind wir dann so selten gewillt diese zu nutzen? Aber lüge ich, wenn ich die Unwahrheit sage? Wer bewußt die Unwahrheit sagt, lügt. Wer unwissentlich die Unwahrheit sagt, irrt. Aber wer bewusst Falschaussagt wird doch bestraft?
3. Deutsches Recht
Die meisten wohlwollenden Lügen sind wohl nicht zu rechtfertigen, denn man muss Eines bedenken: eine Lüge behandelt den Mitmenschen als jemand, der mit der Wahrheit nicht fertig wird. Dies ist eine Form fehlenden Respekts, und in einem bestimmten Sinne schadet Lügen dem Mitmenschen. Gestraft wird eine Lüge, zum Einen verdeckt mit dem schlechten Gewissen begründet auf sozialisierte Werte und Normen der Gesellschaft. Zum Anderen gesamtgesellschaftliche Sanktionen wie Nichtbeachtung, Ausgrenzung und/oder Verstoß. Im deutschen Gesetz jedoch nicht. Das Recht auf Lüge bezeichnet die Möglichkeit auf unzulässige Fragen nicht mit der Wahrheit zu antworten. Aber auch grundsätzlich ist Lügen nicht mit Strafe im strafrechtlichen Sinne bedroht. So schwöre ich die Wahrheit zu sagen und Nichts als die Wahrheit.
4. Situationen schaffen
Faust hätte in Marthens Garten die aufgebrachte Margarete wahrscheinlich schneller beruhigen können, wenn er doch geantwortet hätte mit: „Misshör mich nicht, du holdes Angesicht!„ Gott ist an sich, als Christ und glaubend ist er stets um mich. nicht bannen in den Gemäuern unter hohem Dach, dem Stein, dem Holz der Kunst vom Fach! Um unseres Segen willen, will ich zur Messe und zur Beichte gehen Will deiner Erfurcht stillen, und mich auf ewig mit dir versöhnen. Und jetzt du Holde, darf ich’s wagen und sie zum Altare tragen? Sagt nur ein Wort und werdet klar
Uns verbindt uns auf ewig „JA!“ Faust hätte die Situation mit einer Lüge entschärfen und zu seinen Gunsten verändern können. Doch eine Liebe auf Ewig wäre das wohl nicht geworden. Denn er baut damit die Burg auf Schlamm. Damit möchte ich aufzeigen, dass eine Lüge einer neuen Bedarf um diese zu kaschieren. Was mit der Entscheidung zur Lüge, sei es aus Furcht oder Mitgefühl, begann, endet in einer unaufhörlichen Verkettung von Lügen die zu einer Parallelidentität führt.
5. Lügner als Idealist
„Aus Lügen, die wir glauben, werden Wahrheiten, mit denen wir leben.“ Man wird zum notorischen Lügner. Ein sog. „Feind der Wahrheit“, der sich nur noch denen mit Überzeugungen stellen muss. Ein Idealist im Unwahrheitswahn! Also sprach Nietzsche: „Alle Idealisten bilden sich ein, die Sachen, welchen sie dienen, seien wesentlich besser als die anderen Sachen in der Welt, und wollen nicht glauben, daß wenn ihre Sache überhaupt gedeihen soll, sie genau desselben übelriechenden Düngers bedarf, welchen alle anderen menschlichen Unternehmungen nötig haben. “
6. Wo das Wohl herkommt?
Wohl ist der Zustand, in dem sich jemand gut fühlt und sich in guter Verfassung befindet. Also immer genau dann, wenn jemandem eine Unwahrheit nicht aufgefallen ist, so dass er sich schlecht fühlt und unverletzt ist. Aber was macht mich verantworlich für das Wohlergehen Anderer zu sorgen und meine Kommunikation um die Wahrheit herumzuführen. Manipuliere ich mich nicht damit selbst, um als eine Art emphatischer Schutzengel darzustehen und das auch immer nur dann, wenn mein Schwindel nicht aufgefallen ist? Sind wir so abhängig von selbst konstruierten Glücksmomenten, oder Phasen der Befürchtung erwischt zu werden? Oder Hatte Shakespeare Recht, weil er schrieb, dass es nichts Gutes oder Böses gibt, bevor es unsere Gedanken dazu machen? Durch welchen Kanal kann ich das beim Gesprächspartner ablesen? Gibt es visuelle, auditive,
kinästhetische oder unspezifische Merkmale der Kommunikation des Anderen die mich zu einer Lüge verleiten. Oder sogar eine Lüge aufdecken können? Wenn wir uns diese Fragen alle gestellt haben, wie kann es uns da Wohl ergehen?
9. Vom Modellieren zur Aufgabe des Lehrenden
Haben wir jedoch ein Modell der Welt einer Person oder Gruppe erkannt, also die Zusammensetzung seiner Glaubenssysteme, internaler Prozesse und Verhaltensweisen, die es ihm gestatten, auf eine bestimmte Weise zu funktionieren, so können wir duch Modellieren viel einfacher die Fähigkeiten des Anderen nachvollziehen und fördern. Wenn der Lehrende die Klausurbögen als abwechselnd unterschiedlich ankündigt, also als Bogen A und Bogen B austeilt, obwohl diese identisch sind, um so die Stärken und Einzelbewertungsfähigkeit seiner Schüler steigern zu können, dafür jedoch lügen müsste, so kommt es darauf an, ob die Lüge verzeihlich ist, banaler Natur ist und sich innerhalb des Lehrauftrages des Lehrenden befindet. Die Lüge sei verzeihlich, da sie im Rahmen des Lehrauftrages als Aufmerksamkeitstest verstanden werden kann und für einen ernsten Vertrauensmissbrauch zu banal ist. Darüber hinaus war das Ziel, die Einzelnacheisbarkeit von Wissen bei der Wissensabfrage zu steigern. Jedoch lassen wir damit den Aspekt der Sozialisation völlig außer Acht. Durch ein ausgewogenes System von Lohn und Strafe glaubt die Schule, diesen Mechanismus zu ihren Gunsten ausnutzen zu können und übersieht dabei, daß sie die Würde des Menschen frühzeitig korrumpiert, Zulieferungsdienste leistet und damit sich selbst – als kritische Schule – aufhebt.“ Wer den Mechanismus der Lüge als Kernthema innerhalb eines institutionellen Systems benutzt, um damit Wissen zu schaffen, beweist, als Spiegel seines Gegenübers, dass die Schüler selbst nicht fähig wären mit der Wahrheit eine Einzelnachweisbarkeit von Wissen zu ermöglichen. Damit wären dann beide Ziele des Lehrenden erfüllt. Solange es Schüler gibt, die dieses auch wahrnehmen und evtl. zukünftig anwenden können. Also nicht ihre Leistungen auf dem Blatt des Nachbarn zu finden.
10. Ergebnis
Unwahrheiten bürgen Gefahren. Doch Gefahren werden durch das Risiko bestimmt. „Wenn es Regenschirme gibt, kann man nicht mehr risikofrei leben: Die Gefahr, daß man durch Regen naß wird, wird zum Risiko, das man eingeht, wenn man den Regenschirm nicht mitnimmt. Aber wenn man ihn mitnimmt, läuft man das Risiko, ihn irgendwo liegenzulassen.“ Unwahrheiten schaffen also Abhängigkeiten. Da Ihre Natur riskant sind. Ergo wird die Freiheit zur Unwahrheit stark eingegrenzt. Eine Entscheidungsfreiheit jedes Einzelnen. „Wie weit kann ich gehen, ohne sanktioniert zu werden?“ Sei es durch Enttarnung oder durch kognitive Dissonanz. Wäre nicht die nachhaltige Rigidität, um das Lügengebilde zu schützen oder das vollständige Desinteresse gegenüber der Folgen. Bedarf es einen hohen Grad an Empathie oder besonderer Kenntnisse der Neurolinguistischen Programmierung? Freiheit zur Unwahrheit wird also individuell entschieden, geplant und ausgeführt und manchmal, wenn auch selten, gibt es einen Rechtfertigungsgrund.
Quellenangaben
dtv-Lexikon in 20 Bänden, Band 19 „Wahrheit“, dtv, München, 1975 Lexikon zur Soziologie, Westdeutscher Verlag, Opladen, 1988 Lexikon der Werbung, moderne industrie AG, Landsberg am Lech, 1988 Motivationsprobleme in der Schule, Karl Aschersleben, Urban-Taschenbücher, Köln, 1977 Grenzenlose Energie, Das PowerPrinzip, Anthony Robbins, Ullstein Verlag, Berlin, 2004 Friedrich Nietzsche, Gesammelte Werke, Gondrom Verlag GmbH, Bindlach, 2005 So siehst du auch aus, Kurt Tucholsky, Bertelsmann Lesering, Gütersloh, 1985 Faust, Der Tragödie Erster Teil, J.W.Goethe, Gesammelte Ausgaben, Bertelsmann, Gütersloh, 1958 Arbeitsgesetze 73. Auflage 5006, Beck-Texte im dtv, München, 2008 Wie weiter mit Niklas Luhmann, Armin Nassehi, Hamburger Edition, Hamburg, 2008
(Im Rahmen dieses Aufsatzes habe ich gänzlich auf das Internet verzichten dürfen) Es sind Berichte von völliger Wahrheit, ganz und gar nicht wie erfunden. Zwar sonderbar durcheinandergemischt, aber von einem völlig wahren, sehr realen Zentrum geordnet… (Alfred Döblin)
Kommunikation, Lüge, Manipulation, NLP, Unwahrheit Allgemein